Handwerk · 9 Minuten Lesezeit
Mitarbeiter finden im Handwerk: Warum die Stellenanzeige allein nicht mehr reicht
Die Auftragsbücher sind voll, aber die Stelle ist seit Monaten offen. Hier lesen Sie, woran das liegt, wie Betriebe heute tatsächlich einstellen und was Social Media dabei kann und was nicht. Mit aktuellen Zahlen und ohne Garantieversprechen.

Halb sieben auf dem Hof. Drei Transporter stehen bereit, aber nur zwei Monteure steigen ein. Der Kunde aus Karlsfeld wartet seit drei Wochen auf seinen Termin, das Angebot für die Wärmepumpe liegt auch noch auf dem Schreibtisch. Und die Stellenanzeige für den Anlagenmechaniker? Läuft seit Februar.
Wenn Ihnen das bekannt vorkommt: Sie sind nicht allein. Im Handwerk fehlen Leute, und zwar nicht ein bisschen. Die gute Nachricht: Wie Betriebe heute tatsächlich einstellen, lässt sich ziemlich genau sagen. Und daraus können Sie einiges für Ihre eigene Suche ableiten.
Damit es fair bleibt: studio Alvar bietet selbst Mitarbeitersuche über Social Media an. Genau deshalb steht hier auch, was Social Media nicht kann.
Viel zu tun, zu wenig Leute
Erst einmal die Lage, damit klar ist, womit wir es zu tun haben:
- 242 Tage
- bleibt eine gemeldete Stelle im Handwerk im Schnitt unbesetzt. Über alle Berufe sind es 167.Bundesagentur für Arbeit, 2025
- Fast jede 2.
- offene Stelle im Handwerk war 2025 rechnerisch nicht zu besetzen.KOFA Kompakt 07/2026
- 83 %
- der Handwerksbetriebe nennen fehlende Azubis als Herausforderung.Bitkom, 2025
Besonders eng ist es in der Bauelektrik, bei Sanitär, Heizung und Klima, in der Kfz-Technik und im Metallbau. Wer hier eine Stelle ausschreibt und abwartet, wartet oft lange.
So stellen Betriebe wirklich ein
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung fragt jedes Jahr tausende Arbeitgeber, über welchen Weg sie ihre neuen Leute gefunden haben. Das Ergebnis für 2025, über alle Branchen:
Über diesen Weg kam die Einstellung zustande (2025)
| Eigene Leute und Kontakte | 27 % |
|---|---|
| Online-Jobbörsen | 21 % |
| Eigene Website | 20 % |
| Soziale Medien | 9 % |
| Initiativbewerbungen | 6 % |
| Arbeitsagentur | 4 % |
| Zeitungsanzeige | 3 % |
Zwei Dinge fallen auf. Erstens: Die eigene Website ist bei 70 % aller Einstellungen im Spiel und bei jeder fünften sogar der entscheidende Weg. Sie ist also kein Beiwerk, sondern das Fundament. Zweitens: Soziale Medien waren bei 9 % entscheidend. Das ist nicht nichts, aber auch kein Wundermittel. Wer Ihnen etwas anderes erzählt, will Ihnen meist etwas verkaufen.
Die Guten suchen gar nicht
Warum dann überhaupt Social Media? Weil die Leute, die Sie suchen, meistens gar nicht suchen. Eine forsa-Studie unter Beschäftigten in Produktion, Bau, Handel und anderen praktischen Berufen hat das deutlich gezeigt:
Von 100 Beschäftigten in praktischen Berufen …
- 6suchen aktiv einen neuen Job
- 31denken an einen Wechsel, schauen aber nicht nach Stellen
- 63weder noch
Auf Jobbörsen finden Sie die sechs. Die 31, die offen wären, aber nicht aktiv suchen, sehen Ihre Anzeige dort nie. Die scrollen abends lieber durch Facebook und Instagram. Genau dort können Sie sie erreichen, mit echten Bildern aus Ihrem Betrieb und einer Bewerbung, die in einer Minute erledigt ist.
Was Bewerber wirklich wollen
Hier klaffen Wunsch und Wirklichkeit oft auseinander. Bewerber wollen es einfach und ehrlich. Viele Betriebe verlangen dagegen Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse wie vor zwanzig Jahren.
- 65 %
- der Bewerbenden im Handwerk haben schon auf eine Stelle verzichtet, weil kein Gehalt genannt war.StepStone, 2024/2025
- 12 %
- der Stellenanzeigen auf Indeed in Deutschland nennen überhaupt ein Gehalt.Indeed Hiring Lab, 2026
- 45 %
- der Beschäftigten in praktischen Berufen möchten sich per Handy bewerben.forsa, 2023
Anders gesagt: Wer das Gehalt nennt und eine Bewerbung ohne Lebenslauf anbietet, fällt schon auf, weil es fast niemand macht.
Die Karriereseite: das Fundament
Egal, woher jemand kommt, von der Anzeige, vom Kollegen oder von Google: Am Ende landet er auf Ihrer Website. Dort entscheidet sich, ob er sich meldet. Diese Punkte machen den Unterschied:
Beruf, Ort und Gehalt gleich oben
Eine Spanne reicht. Sie beantwortet die erste Frage, bevor sie gestellt wird.
Was man bei Ihnen macht
In drei, vier konkreten Sätzen: Baustellen, Kunden, Fahrzeug, Werkzeug. Keine Floskeln wie „abwechslungsreiche Tätigkeit“.
Echte Bilder und ein kurzes Video
Ihr Team, Ihre Werkstatt, Ihre Baustellen. Nichts überzeugt mehr, auch nicht das schönste Symbolbild.
Bewerbung in einer Minute
Name, Telefonnummer, Beruf und ab wann jemand anfangen kann. Anschreiben und Lebenslauf können warten, bis man sich kennt.
Eine Rückmeldung, auf die man sich verlassen kann
Wer abends eine Bewerbung schickt und drei Wochen nichts hört, ist weg. Wer am nächsten Tag zurückruft, hat die besten Karten.
Azubis erreichen Sie anders
Bei Azubis hilft die bezahlte Stellenanzeige kaum: Meta zeigt Jobanzeigen nur Erwachsenen. Schüler entscheiden sich auf anderen Wegen: über einen Tag im Betrieb, über Freunde, Lehrer und Eltern und über das, was sie auf Instagram sehen.
Ein Praktikumstag am Samstag, ein Aushang in der Schule, eine Seite für Eltern, die zeigt, was die Ausbildung bei Ihnen bietet, und ab und zu ein Beitrag aus dem Alltag Ihrer Azubis: Das ist weniger spektakulär als eine Kampagne, aber genau dort fällt die Entscheidung.
Worauf Sie bei Agenturen achten sollten
Wer „Mitarbeiter finden Handwerk“ googelt, findet Dutzende Agenturen. Viele arbeiten gut. Manche versprechen allerdings mehr, als sich seriös versprechen lässt. Diese Fragen helfen beim Vergleich:
Was genau wird versprochen?
Vorsicht bei „in 60 Tagen eingestellt, mit Garantie“. Ob jemand anfängt, hängt auch vom Gehalt, von der Region und davon ab, wie schnell Sie zurückrufen.
Läuft das Werbebudget über Ihr eigenes Konto?
Dann sehen Sie jeden Euro. Manche Anbieter schlagen auf das Budget noch 10 bis 20 % drauf.
Wie lange binden Sie sich?
Üblich sind drei bis zwölf Monate. Fragen Sie, was passiert, wenn die Stelle früher besetzt ist oder gar nicht.
Wem gehört die Karriereseite danach?
Sie sollte Ihnen gehören und weiter funktionieren, auch wenn die Anzeigen irgendwann stoppen.
Zur Einordnung: Anbieter nennen für die Einrichtung meist 1.000 bis 6.000 €, für die laufende Betreuung 800 bis 3.000 € im Monat, dazu das Werbebudget. Eine neutrale Preiserhebung gibt es nicht, das sind Angaben der Anbieter selbst.
Mein ehrlicher Rat
Es gibt nicht den einen Kanal, der alles löst. Aber es gibt eine Reihenfolge, die funktioniert:
Zuerst das Fundament
- eine Karriereseite mit Gehalt, echten Bildern und Kurzbewerbung
- ein schneller Rückruf auf jede Bewerbung
- eine Prämie, wenn Ihre Mitarbeiter jemanden empfehlen
Dann die Reichweite
- Anzeigen auf Facebook und Instagram für Leute, die nicht aktiv suchen
- Jobbörsen für die, die gerade suchen
- für Azubis: Praktikum, Schulen, Eltern, Instagram
Die Anzeige bringt Aufmerksamkeit. Überzeugen muss am Ende Ihr Betrieb, und dafür braucht es eine Seite, die ihn zeigt, wie er ist.



