Handwerk · 9 Minuten Lesezeit

Mitarbeiter finden im Handwerk: Warum die Stellenanzeige allein nicht mehr reicht

Die Auftragsbücher sind voll, aber die Stelle ist seit Monaten offen. Hier lesen Sie, woran das liegt, wie Betriebe heute tatsächlich einstellen und was Social Media dabei kann und was nicht. Mit aktuellen Zahlen und ohne Garantieversprechen.

Ville-Pekka Hofmann · studio Alvar
29. September 2026

Ein Meister und ein Mitarbeiter im Gespräch in der Werkstatt

Halb sieben auf dem Hof. Drei Transporter stehen bereit, aber nur zwei Monteure steigen ein. Der Kunde aus Karlsfeld wartet seit drei Wochen auf seinen Termin, das Angebot für die Wärmepumpe liegt auch noch auf dem Schreibtisch. Und die Stellenanzeige für den Anlagenmechaniker? Läuft seit Februar.

Wenn Ihnen das bekannt vorkommt: Sie sind nicht allein. Im Handwerk fehlen Leute, und zwar nicht ein bisschen. Die gute Nachricht: Wie Betriebe heute tatsächlich einstellen, lässt sich ziemlich genau sagen. Und daraus können Sie einiges für Ihre eigene Suche ableiten.

Damit es fair bleibt: studio Alvar bietet selbst Mitarbeitersuche über Social Media an. Genau deshalb steht hier auch, was Social Media nicht kann.

Viel zu tun, zu wenig Leute

Erst einmal die Lage, damit klar ist, womit wir es zu tun haben:

242 Tage
bleibt eine gemeldete Stelle im Handwerk im Schnitt unbesetzt. Über alle Berufe sind es 167.Bundesagentur für Arbeit, 2025
Fast jede 2.
offene Stelle im Handwerk war 2025 rechnerisch nicht zu besetzen.KOFA Kompakt 07/2026
83 %
der Handwerksbetriebe nennen fehlende Azubis als Herausforderung.Bitkom, 2025

Besonders eng ist es in der Bauelektrik, bei Sanitär, Heizung und Klima, in der Kfz-Technik und im Metallbau. Wer hier eine Stelle ausschreibt und abwartet, wartet oft lange.

So stellen Betriebe wirklich ein

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung fragt jedes Jahr tausende Arbeitgeber, über welchen Weg sie ihre neuen Leute gefunden haben. Das Ergebnis für 2025, über alle Branchen:

Über diesen Weg kam die Einstellung zustande (2025)

Über diesen Weg kam die Einstellung zustande (2025)
Eigene Leute und Kontakte27 %
Online-Jobbörsen21 %
Eigene Website20 %
Soziale Medien9 %
Initiativbewerbungen6 %
Arbeitsagentur4 %
Zeitungsanzeige3 %
Anteil der Neueinstellungen, bei denen dieser Weg entscheidend war. Quelle: IAB-Stellenerhebung, alle Branchen, ohne Azubis.

Zwei Dinge fallen auf. Erstens: Die eigene Website ist bei 70 % aller Einstellungen im Spiel und bei jeder fünften sogar der entscheidende Weg. Sie ist also kein Beiwerk, sondern das Fundament. Zweitens: Soziale Medien waren bei 9 % entscheidend. Das ist nicht nichts, aber auch kein Wundermittel. Wer Ihnen etwas anderes erzählt, will Ihnen meist etwas verkaufen.

Die Guten suchen gar nicht

Warum dann überhaupt Social Media? Weil die Leute, die Sie suchen, meistens gar nicht suchen. Eine forsa-Studie unter Beschäftigten in Produktion, Bau, Handel und anderen praktischen Berufen hat das deutlich gezeigt:

Von 100 Beschäftigten in praktischen Berufen …

  • 6suchen aktiv einen neuen Job
  • 31denken an einen Wechsel, schauen aber nicht nach Stellen
  • 63weder noch
forsa für onlyfy by XING, 2023, branchenübergreifend

Auf Jobbörsen finden Sie die sechs. Die 31, die offen wären, aber nicht aktiv suchen, sehen Ihre Anzeige dort nie. Die scrollen abends lieber durch Facebook und Instagram. Genau dort können Sie sie erreichen, mit echten Bildern aus Ihrem Betrieb und einer Bewerbung, die in einer Minute erledigt ist.

So kann eine Stellenanzeige am Handy aussehen. Beispielentwürfe für einen erfundenen Betrieb.

Was Bewerber wirklich wollen

Hier klaffen Wunsch und Wirklichkeit oft auseinander. Bewerber wollen es einfach und ehrlich. Viele Betriebe verlangen dagegen Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse wie vor zwanzig Jahren.

65 %
der Bewerbenden im Handwerk haben schon auf eine Stelle verzichtet, weil kein Gehalt genannt war.StepStone, 2024/2025
12 %
der Stellenanzeigen auf Indeed in Deutschland nennen überhaupt ein Gehalt.Indeed Hiring Lab, 2026
45 %
der Beschäftigten in praktischen Berufen möchten sich per Handy bewerben.forsa, 2023

Anders gesagt: Wer das Gehalt nennt und eine Bewerbung ohne Lebenslauf anbietet, fällt schon auf, weil es fast niemand macht.

Die Karriereseite: das Fundament

Egal, woher jemand kommt, von der Anzeige, vom Kollegen oder von Google: Am Ende landet er auf Ihrer Website. Dort entscheidet sich, ob er sich meldet. Diese Punkte machen den Unterschied:

  1. Beruf, Ort und Gehalt gleich oben

    Eine Spanne reicht. Sie beantwortet die erste Frage, bevor sie gestellt wird.

  2. Was man bei Ihnen macht

    In drei, vier konkreten Sätzen: Baustellen, Kunden, Fahrzeug, Werkzeug. Keine Floskeln wie „abwechslungsreiche Tätigkeit“.

  3. Echte Bilder und ein kurzes Video

    Ihr Team, Ihre Werkstatt, Ihre Baustellen. Nichts überzeugt mehr, auch nicht das schönste Symbolbild.

  4. Bewerbung in einer Minute

    Name, Telefonnummer, Beruf und ab wann jemand anfangen kann. Anschreiben und Lebenslauf können warten, bis man sich kennt.

  5. Eine Rückmeldung, auf die man sich verlassen kann

    Wer abends eine Bewerbung schickt und drei Wochen nichts hört, ist weg. Wer am nächsten Tag zurückruft, hat die besten Karten.

Azubis erreichen Sie anders

Bei Azubis hilft die bezahlte Stellenanzeige kaum: Meta zeigt Jobanzeigen nur Erwachsenen. Schüler entscheiden sich auf anderen Wegen: über einen Tag im Betrieb, über Freunde, Lehrer und Eltern und über das, was sie auf Instagram sehen.

Ein Flyer für den Praktikumstag und eine Story aus dem Azubi-Alltag. Beispielentwürfe für einen erfundenen Betrieb.

Ein Praktikumstag am Samstag, ein Aushang in der Schule, eine Seite für Eltern, die zeigt, was die Ausbildung bei Ihnen bietet, und ab und zu ein Beitrag aus dem Alltag Ihrer Azubis: Das ist weniger spektakulär als eine Kampagne, aber genau dort fällt die Entscheidung.

Worauf Sie bei Agenturen achten sollten

Wer „Mitarbeiter finden Handwerk“ googelt, findet Dutzende Agenturen. Viele arbeiten gut. Manche versprechen allerdings mehr, als sich seriös versprechen lässt. Diese Fragen helfen beim Vergleich:

  1. Was genau wird versprochen?

    Vorsicht bei „in 60 Tagen eingestellt, mit Garantie“. Ob jemand anfängt, hängt auch vom Gehalt, von der Region und davon ab, wie schnell Sie zurückrufen.

  2. Läuft das Werbebudget über Ihr eigenes Konto?

    Dann sehen Sie jeden Euro. Manche Anbieter schlagen auf das Budget noch 10 bis 20 % drauf.

  3. Wie lange binden Sie sich?

    Üblich sind drei bis zwölf Monate. Fragen Sie, was passiert, wenn die Stelle früher besetzt ist oder gar nicht.

  4. Wem gehört die Karriereseite danach?

    Sie sollte Ihnen gehören und weiter funktionieren, auch wenn die Anzeigen irgendwann stoppen.

Zur Einordnung: Anbieter nennen für die Einrichtung meist 1.000 bis 6.000 €, für die laufende Betreuung 800 bis 3.000 € im Monat, dazu das Werbebudget. Eine neutrale Preiserhebung gibt es nicht, das sind Angaben der Anbieter selbst.

Mein ehrlicher Rat

Es gibt nicht den einen Kanal, der alles löst. Aber es gibt eine Reihenfolge, die funktioniert:

Zuerst das Fundament

  • eine Karriereseite mit Gehalt, echten Bildern und Kurzbewerbung
  • ein schneller Rückruf auf jede Bewerbung
  • eine Prämie, wenn Ihre Mitarbeiter jemanden empfehlen

Dann die Reichweite

  • Anzeigen auf Facebook und Instagram für Leute, die nicht aktiv suchen
  • Jobbörsen für die, die gerade suchen
  • für Azubis: Praktikum, Schulen, Eltern, Instagram

Die Anzeige bringt Aufmerksamkeit. Überzeugen muss am Ende Ihr Betrieb, und dafür braucht es eine Seite, die ihn zeigt, wie er ist.

FAQ

Häufige Fragen

Ihre Frage ist nicht dabei?
Fragen Sie mich direkt

Was kostet Social Recruiting im Handwerk?

Eine neutrale Preiserhebung gibt es nicht. Anbieter nennen für die Einrichtung meist 1.000 bis 6.000 €, für die Betreuung 800 bis 3.000 € im Monat. Das Werbebudget für Facebook und Instagram kommt meist extra dazu, oft 500 bis 1.500 € im Monat. Fragen Sie, ob es über Ihr eigenes Werbekonto läuft.

Kann ich mit Stellenanzeigen gezielt junge Leute oder bestimmte Postleitzahlen ansprechen?

Nein. Meta verlangt für Stellenanzeigen in Deutschland die Kategorie „Beschäftigung“: Alter 18 bis 65+, alle Geschlechter, keine Postleitzahlen, ein Mindestradius von rund 16 km. Wen Sie erreichen, steuern Sie über Region, Bild und Text. Diskriminierende Ausschreibungen verbietet ohnehin das AGG.

Kann ich Azubis über Instagram finden?

Mit bezahlten Stellenanzeigen nur, wenn sie mindestens 18 sind. Jüngeren zeigt Meta solche Anzeigen nicht. Schüler erreichen Sie über Praktikumstage, Schulen, Eltern und über Beiträge aus dem Azubi-Alltag auf dem eigenen Kanal.

Muss ich in der Stellenanzeige ein Gehalt angeben?

In Deutschland gibt es noch keine allgemeine Pflicht, das Gehalt in die Anzeige zu schreiben (Stand Oktober 2026). Die EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz hätte bis 7. Juni 2026 umgesetzt sein müssen, das deutsche Gesetz wird erst für 2027 erwartet. Sie verlangt, dass Bewerber das Einstiegsgehalt oder eine Spanne vor dem Vorstellungsgespräch erfahren, nicht zwingend in der Anzeige. Unabhängig davon: Laut StepStone haben 65 % der Bewerbenden im Handwerk schon auf eine Stelle verzichtet, weil kein Gehalt genannt war.

Wie schnell sollte ich auf eine Bewerbung reagieren?

So schnell wie möglich, am besten mit einem Anruf am selben oder nächsten Tag. Wer gerade nicht aktiv sucht, verliert das Interesse schnell wieder. Versprechen Sie auf der Karriereseite nur eine Rückmeldezeit, die Sie auch halten können.

Fragen zu Ihrem Fall?

Ein kurzes Gespräch klärt oft mehr.

Schreiben Sie mir, worum es geht. Ich melde mich innerhalb von 1 bis 2 Werktagen, ehrlich und ohne Verkaufsdruck.

Ville-Pekka Hofmann
Ihr Ansprechpartner, studio Alvar · Dachau

hallo@studio-alvar.de0162 591 17 31

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