Gastronomie · 10 Minuten Lesezeit
Speisekarte gestalten lassen: Was es kostet, wie lange es dauert und was draufmuss
Die Speisekarte ist das einzige Werbemittel, das jeder Gast in die Hand nimmt. Trotzdem ist sie in vielen Restaurants seit Jahren dieselbe. Hier lesen Sie, was eine neue kostet, welches Papier den Samstagabend übersteht, was draufmuss und welche Tipps Sie getrost vergessen können.

Samstagabend, alle Tische voll. Am Fenster sitzt ein Paar und blättert durch die Karte. Die Ecken sind etwas weich geworden, auf Seite drei klebt ein Zettel mit den Tagesgerichten, und das Lamm, auf das Ihre Küche so stolz ist, versteckt sich irgendwo zwischen Schnitzel und Salat.
Die Karte ist oft der erste Eindruck von Ihrer Küche, noch bevor der erste Teller kommt. Und viele Gäste haben sie schon vorher gesehen: Laut Bitkom schaut sich mehr als jeder Zweite die Speisekarte online an, bevor er ein neues Restaurant besucht.
Zeit für eine neue? Dann finden Sie hier alles, was Sie wissen müssen: was sie kostet, welches Papier den Samstagabend übersteht, was draufmuss und welche Gestaltungsregeln wirklich wirken. Und die paar, die sich hartnäckig halten, obwohl nichts dran ist.
Damit es fair bleibt: studio Alvar gestaltet selbst Speisekarten und Auftritte für Restaurants. Preise und Studien in diesem Artikel stammen aus öffentlichen Quellen, die unten verlinkt sind.
Was kostet eine neue Speisekarte?
Die ehrliche Antwort: ab 41 € und nach oben offen. Der Unterschied liegt nicht im Papier, sondern darin, was Sie für Ihr Geld bekommen.
Was die Gestaltung einer Speisekarte kostet (netto)
| Grafikservice der Druckerei | ab 41 € |
|---|---|
| Online-Agentur mit Festpreis | 119 bis 469 € |
| Design-Wettbewerb | 159 bis 949 € |
Die günstigen Angebote haben einen Haken, der selten dabeisteht: Sie setzen voraus, dass Sie fertige Texte liefern und mit einem Entwurf zufrieden sind. Genau darin steckt bei einem guten Restaurant aber die eigentliche Arbeit: Gerichte so beschreiben, dass man sie beim Lesen schon schmeckt, Rubriken sinnvoll ordnen, Allergene sauber kennzeichnen, übersetzen, Papier und Veredelung auswählen.
Viele Ratgeber nennen für die individuelle Gestaltung 400 bis 1.500 €. Woher die Zahl kommt, verrät keiner von ihnen. Ein besserer Anhaltspunkt ist die Honorarempfehlung der Designverbände: mindestens 105 € pro Stunde. Wie viele Stunden es werden, hängt ganz von Ihrer Karte ab, also von Umfang, Inhalten und davon, was schon da ist.
Welches Papier übersteht den Samstagabend?
Rotwein, Fettfinger, nasse Tische: Eine Karte muss einiges aushalten. Trotzdem sind hochwertige Karten selten laminiert. Meist ist es schönes Papier, oft in einer Mappe, das einfach neu gedruckt wird, wenn sich etwas ändert. Hier die gängigen Möglichkeiten, wo vorhanden mit aktuellen Preisen großer Online-Druckereien:
Naturpapier oder Karton
Ohne Folie, mit spürbarer Oberfläche. Wirkt hochwertig und wird einfach nachgedruckt, wenn sich Gerichte oder Preise ändern.
Preis je nach Papier und Auflage
Für Restaurants mit Tages- oder Saisonkarte
Mappe mit Einlegeblättern
Die Hülle aus Pappe, Leinen oder Leder bleibt, die Seiten darin tauschen Sie aus.
ab 25,90 € pro Stückeinfache Mappe ab 10 Stück; Leder- und Leinenoptik auf Anfrage
Für Restaurants, die ihre Karte oft wechseln und trotzdem edel wirken wollen
Folienkaschiert
Papier mit hauchdünner Folie: abwischbar, ohne nach Plastik auszusehen.
0,70 € pro Stück100 Stück, A4 gefalzt: 70,48 €
Für den Alltag mit viel Betrieb
Synthetikpapier oder Laminat
Wasserfest und robust. Synthetik sieht aus wie Papier, Laminat wirkt schnell nach Plastik.
ab 1,61 € pro StückSynthetik A5: 25 Stück für 40,19 €; laminiert A3 gefalzt: 100 Stück für 280,89 €
Für Terrasse, Biergarten und Selbstbedienung
Eine Mappe mit Einlegeblättern ist für viele Restaurants ein guter Mittelweg: Die Mappe bleibt, und wenn im April der Spargel kommt, drucken Sie nur eine neue Seite.
Das muss auf die Karte
Jetzt wird es kurz trocken, aber es lohnt sich: Bei der Kennzeichnung sind Bußgelder bis 50.000 € möglich. Die wichtigsten Pflichten auf einen Blick (keine Rechtsberatung, im Zweifel fragen Sie Ihre Lebensmittelüberwachung oder Ihren Verband):
- AllergeneDie 14 Hauptallergene, auf der Karte, per Aushang oder elektronisch. Mündlich nur mit schriftlicher Dokumentation und gut sichtbarem Hinweis.
- ZusatzstoffeEtwa „mit Farbstoff“ oder „mit Konservierungsstoff“, auf demselben Weg wie die Allergene.
- EndpreiseInklusive Bedienungsgeld und aller Zuschläge. Kein „ab“, kein „ca.“.
- Mengen bei Getränken0,3 l, 2 cl, Mass. Und mindestens ein alkoholfreies Getränk, das bei gleicher Menge nicht teurer ist als das günstigste alkoholische.
- Preisaushang am EingangNeben dem Eingang ein Verzeichnis mit den Preisen der wichtigsten Speisen und Getränke.
- Ehrliche BezeichnungenSchinkenart nennen, „Käse“ nur für Käse, „Bio“ nur mit Zertifikat, geschützte Namen nur, wenn sie stimmen.
Zwei Fragen, die gerade oft kommen. Muss die Herkunft des Fleischs auf die Karte? In der Gastronomie derzeit nicht. Geplant ist, die Tierhaltungskennzeichnung auf Restaurants auszuweiten, politisch ist das aber offen. Freiwillig lohnt es sich trotzdem, solange es stimmt. Und die 7 % Mehrwertsteuer? Seit Januar gelten sie dauerhaft für Speisen, Getränke bleiben bei 19 %. Neu drucken mussten deshalb die wenigsten, denn auf der Karte stehen ohnehin Endpreise.
Was Gestaltung bewirken kann, und was nicht
Wie Ihre Karte aussieht, ist so individuell wie Ihre Küche. Eine Vorlage, die für jedes Restaurant passt, gibt es nicht. Über Speisekarten kursieren trotzdem viele Regeln, und Berater verkaufen sie gern als Geheimtipp. Ich habe nachgesehen, welche davon eine Studie im Rücken haben:
Belegt
Geschmack beschreiben
In einer großen, vorab registrierten Studie wurden Gerichte mit geschmacksbezogenen Namen 14 % häufiger gewählt als mit schlichten Namen (Turnwald et al. 2019).
Belegt
Anfang und Ende einer Rubrik
Gerichte an erster oder letzter Stelle ihrer Rubrik wurden rund 20 % häufiger gewählt (Dayan und Bar-Hillel 2011). Wer ein Gericht hervorheben möchte, kann das nutzen.
Schwach belegt
Preise ohne Eurozeichen
Eine einzige Studie in einem US-Lehrrestaurant fand Hinweise auf etwas höhere Ausgaben. Der Gesamteffekt war nicht signifikant. Ob mit oder ohne, ist eine Frage des Stils.
Faustregel
Sieben Gerichte pro Rubrik
Eine britische Befragung nennt für die gehobene Küche 7 bis 10. Große Auswertungen finden keinen allgemeinen Nachteil durch mehr Auswahl. Wichtiger ist, dass die Karte übersichtlich bleibt.
Mythos
Das „Golden Triangle“
Angeblich wandert der Blick zuerst in die Mitte und dann nach rechts oben. Belegt ist das nicht: In einer Eyetracking-Studie lasen Gäste die Karte wie ein Buch.
Mythos
„+27 % Umsatz durch schöne Namen“
Die oft zitierte Zahl stammt von einem Forscher, von dem 13 Arbeiten zurückgezogen wurden. Ich verwende sie deshalb nicht.
Beschreiben Sie, wie es schmeckt und woher es kommt. Das ist belegt, und es ist ehrlich.
Wie lange dauert eine neue Karte?
Kürzer, als viele denken. Stehen Gerichte, Preise und Allergene fest, ist eine Karte oft in wenigen Tagen gestaltet. Dazu kommen ein paar Tage für den Druck. Meistens hängt es nicht an der Gestaltung, sondern an den Inhalten: am Preis, der noch nicht feststeht, oder an der Allergenliste aus der Küche.
- Inhalte zusammenstellenGerichte, Preise, Allergene
- Gestaltung und Abstimmungwenige Tage bis gut eine Woche
- Druck2 bis 6 Werktage online, Mappen länger
Planen Sie trotzdem etwas Luft vor dem Saisonwechsel ein. Dann bleibt Zeit für eine zweite Korrekturrunde, und die neue Karte liegt pünktlich auf dem Tisch.
Eine Karte, drei Orte: Tisch, Website, Google
Die gedruckte Karte ist nur die halbe Miete. Denn viele Gäste entscheiden, bevor sie überhaupt da sind.
- 53 %
- schauen sich vor dem Besuch eines neuen Lokals die Karte online an.Bitkom, 2024
- 65 %
- sind es bei den 16- bis 29-Jährigen.Bitkom, 2024
- 90 %
- wollen im gehobenen Restaurant eine gedruckte Karte am Tisch.Lightspeed-Umfrage, 2024
Auf der Website als Text, nicht nur als PDF. Google findet zwar auch PDFs. Am Handy sind sie aber eine Qual: zoomen, wischen, suchen. Eine Karte als normaler Text passt sich jedem Bildschirm an, ist barrierefreier, und Google kann sie direkt in Ihr Unternehmensprofil übernehmen.
Im Google-Profil selbst pflegen. Das geht über den Menü-Editor, als Link zur Website oder als Foto. Änderungen erscheinen nach 24 bis 48 Stunden. Findet Google mehrere Quellen, legen Sie fest, welche angezeigt wird. So verhindern Sie, dass das verwackelte Handyfoto eines Gasts als Ihre Speisekarte erscheint.
Und der QR-Code? Als Ergänzung gern, etwa für Allergene, Übersetzungen oder eine ausführliche Weinkarte. Als Ersatz eher nicht: Nur etwa jeder zehnte Gast bevorzugt eine reine QR-Karte, und ob sie rechtlich reicht, ist nicht abschließend geklärt.
Am einfachsten ist es, alle drei Versionen aus denselben Daten zu pflegen. Dann stimmen Preise und Allergene überall, und Sie ändern sie nur einmal.
Aus der Praxis: eine Speisekarte über den Wolken

Dass die Prinzipien überall gelten, zeigt ein Projekt, das mit Gastronomie im engeren Sinn wenig zu tun hat: die Menübroschüre für die Bordverpflegung des Charteranbieters AI Services. Frühstück und Lunch stehen als klare Optionen da, jede mit einem Foto und einer kurzen Zeile, was enthalten ist. Und alles im Erscheinungsbild des Unternehmens.
Ob Privatjet oder Wirtshaus: Gäste sollen in wenigen Sekunden verstehen, was es gibt, und Lust bekommen, es zu bestellen. Das ist am Ende die einzige Regel, die zählt.

